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Keramische Kunst im Herzen der Altstadt von Rheinfelden (jetzt Kleindietwil)

 

Die schlichte Eleganz der keramischen Arbeiten im Schaufenster der Rheinfelder Kupfergasse 11 hat mich schon lange neugierig gemacht. Klare Farben, klare Formen und vor allem ein klug reduziertes Repertoire von wenigen Objektserien fesselten mich immer wieder beim Vorbeigehen: Schwarze, weisse und grosse gepunktete Gefässe, vorwiegend in schlanker, leichter Formgebung, zieren das Schaufenster und den Ausstellungstisch auf der Gasse. Was ist das für ein Mensch, habe ich immer wieder gedacht, der so gradlinige Dinge mit so grosser Konsequenz machen kann?

Christine Burch ist Keramikerin, die Künstlerin die all die schönen Dinge in diesem Verkaufsatelier mit ihren Händen geformt hat. Seit März 2010 arbeitet sie am diesem Ort. Dass sie nach Rheinfelden zog, um dort zu leben und zu arbeiten, war eine berufsbedingte, aber sehr schnelle Entscheidung, vielleicht sogar Liebe auf den ersten Blick. Den Umzug mit dem Atelier von der Wassergasse ins Zentrum der Altstadt hat sie nicht bereut. „Es kommen jetzt mehr Kunden, man ist mitten im Geschehen. Ich liebe es, das kreative Arbeiten, das Ausstellen und den Verkauf an einem schönen Platz zusammen zu haben.“ Und warm ist es in diesem grosszügigen, fast eine Spur vornehmen Raum, der so schonungsvoll renoviert und eingerichtet wurde, dass man seine Geschichte, seine Biogrofie, erahnen kann. Auch das lobt die Keramikerin, denn sie hatte nach ihrer Ausbildung auch schon ein Atelier, in dem im Winter das Wasser in der Leitung fror.

Dass sie einen kerativen Beruf lernen und ausüben wollte, war ihr bereits als Kind klar. Sie besuchte den Vorkurs an der Schule für Gestaltung in Aarau und machte nach einer vierjährigen Ausbildung an der Schule für Gestaltung in Bern das Diplom im Fach Keramik. Die Lehrbefähigung wurde anschliessend wieder in Aarau erworben. Sie ermöglicht es Christine, etwa an der Migrosklubschule zu unterrichten und spannende Kurse im Römermuseum Augusta Raurica zu geben. Kinder arbeiten an diesen Workshops mit antiken Scherben, versuchen einfache Restaurierungsarbeiten und lernen so Geschichte mit ihren eigenen Händen begreifen.

Ausstellungen und Keramik-Märkte sind für Christine Burch ein wichtiger Teil ihrer Arbeit. Sie zeigt die Krüge, Vasen, Tassen und Teller und bekommt immer mal wieder Preise und Auszeichnungen. In Kandern werden ihre Arbeiten hoch geschätzt, aber auch in Basel beim berühmten „Hääfelimäärt“. Wie die meisten Kunsthandwerker ist sie weit herumgereist in Europa, denn nur darauf zu warten, dass in der Rheinfelder Altstadt die Ladentür aufgeht und jemand eine Schale oder ein ganzes Service für die Hochzeit bestellt, das genügt nicht fürs Leben.

Christine Burch lacht gern, wenn sie aus ihrem Leben erzählt, und ein bischen gewinnt man das Gefühl, hier spielen Form, Kunst und Leben tatsächlich perfekt zusammen. „Ich möchte den Menschen zeigen, dass die Dinge, mit denen sie sich umgeben, einen Wert haben.“ Sagt sie und zeigt ein Windlicht aus weissem Porzellan. Es ist so hauchdünn, dass man zunächst zögert, das empfindliche Ding anzufassen. Der Respekt hat einen tieferen Sinn: Erst die auf die Spitze getriebene Fragilität lässt das Kerzenlicht durchscheinen und entpuppt so die an textile Gestaltungen erinnernde eingeprägte Ornamentik in ihrer ganzen Schönheit.

Kein Zweifel, hier hat jemand seinen Beruf und seine Berufung gefunden. In Rheinfelden an der Kupfergasse 11.

Text aus dem Kultur- und Stadtmagazin beider Rheinfelden März/April 2011

geschrieben von R. Kagerer